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Jodeln oder verstehen, was Käfele heisst

Ein grosses Jodelfest zieht in der Schweiz mehrere zehntausend Besucher an. Unabhängig der politischen Gesinnung und der Herkunft interessieren sich Leute für typisch Schweizerisches wie Jodeln, Holzschnitzen oder Dialekt. Wie es geht, lernen sie an der Klubschule Migros.

erwachsenenbildung.ch
September 2016

Ein grosses Jodelfest zieht in der Schweiz mehrere zehntausend Besucher an. Unabhängig der politischen Gesinnung und der Herkunft interessieren sich Leute für typisch Schweizerisches wie Jodeln, Holzschnitzen oder Dialekt. Wie es geht, lernen sie an der Klubschule Migros.

Nicht die Einheitlichkeit, sondern die Vielfalt auf kleinstem Raum ist die Eigenheit der Schweiz. So sind nebst den vier Landessprachen zahlreiche Dialekte und Bräuche Teil der Schweizer Identität. Brauchtum, das sich über Generationen entwickelt hat, gilt nicht als altbacken sondern geniesst eine hohe Aufmerksamkeit. Das Interesse an typisch Schweizerischen Traditionen und Fertigkeiten ist gross. Dabei wollen die Leute selber aktiv sein. Das nimmt auch die Klubschule Migros wahr.

Gegentrend zur Virtualisierung

Weshalb befassen sich die Leute in ihrer Freizeit mit Jodel-, Alphorn- oder Dialektkursen? Karin Frick ist Forschungsleiterin am GDI, dem Gottlieb Duttweiler Institute in Rüschlikon, und befasst sich als Trendforscherin mit diesen Fragen: «Retro ist seit ein paar Jahren in. Wer sich von Globalisierung und wachsender Komplexität überfordert fühlt, orientiert sich gerne am Nahen und an einer vermeintlich guten alten Zeit. Die neue Lust am alten (Kunst-)Handwerk bedeutet aber auch einen Gegentrend zur Virtualisierung der Welt. Und nicht zuletzt galt ländliches Brauchtum schon so lange als hinterwäldlerisch, dass eine Wende fast zwingend war. Trends bewegen sich in Zyklen.»

Kehlkopfschlag und Zungenschlag sind eine Herausforderung

Silvia Rymann (Bild) unterrichtet Jodeln an der Klubschule Migros Luzern und gilt als gute Kennerin der Schweizer Jodelszene: «Ein Naturjodel berührt oder berührt nicht. Wenn ja, dann lässt er einem nicht mehr los!» Jung und Alt interessieren sich für das Jodeln. Besonders nach einem Jodlerfest gibt es bei der Klubschule Migros viele Anfragen. «Bei einem Waldfest in einer gemütlichen Kaffeerunde gemeinsam zu jodeln, ist noch einfach. Um hingegen die Technik für einen gepflegten Jodel zu lernen, braucht etwas Zeit. Es ist wie bei einem Musikinstrument, ohne regelmässiges Üben geht nichts,» ist Silvia Rymann überzeugt. Sie ist die Tochter des Komponisten und Jodlers Ruedi Rymann, dessen Interpretation des Liedes «Dr Schacher Seppli» als einer der grössten Schweizer Hits gilt.

Die grosse Vielfalt in der Schweizer Volkskultur

Auf dem Land oder in den Bergen verläuft das kulturelle Leben anders als in den Städten. Angesichts der grossen regionalen Vielfalt gibt es wenig Traditionen, die überregional als typisch schweizerisch bekannt sind. In der Musik gehören nebst dem Jodel sicher das Schwyzerörgeli und das Alphorn dazu. Auch in der Kulinarik gibt es national bekannte Spezialitäten wie die Basler Läckerli oder die Bündner Nusstorte. Interessierte erlernen an der Klubschule Migros diese traditionellen musischen Fähigkeiten und machen sich dabei mit einem Stück Schweizer Kultur vertraut. Früher hat jede Generation dieses Kulturgut innerhalb der Familie an die nächste Generation weitergegeben. Heute geschieht diese Vermittlung in vielen Fällen ausserhalb der Familie wie etwa an der Klubschule Migros.

Dialektkurse sind beliebt

 

Die Teilnehmenden von Dialektkursen kommen aus der ganzen Welt. Oft ist der Besuch beruflich motiviert. Im Kundenkontakt oder in Pflegeberufen ist es ein Vorteil, Dialekt zu verstehen. So kommt es oft vor, dass ein Teilnehmer auf Wunsch des Arbeitgebers seine Dialektkenntnisse verbessert. Ann Beilstein, Dozentin an der Klubschule Migros und Autorin des Lehrbuches «Züritüütsch Schweizerdeutsch», sieht eine positive Entwicklung des Dialekts: «Das Bewusstsein für den Dialekt ist gewachsen. Die Schweizer schätzen ihre Sprache als Teil der eigenen Identität.» Ann Beilstein sieht im Dialekt zudem ein reiches Kulturgut: «Schweizerdeutsch hat einen immensen Wortschatz und bietet für Emotionales eine nuancierte Ausdrucksweise. So steckt etwa im Wort Käfele viel mehr als nur Kaffee trinken.»

Erster Garten für chinesische Arzneipflanzen in der Schweiz eröffnet

Am 30. August 2016 hat die ZHAW in Wädenswil zusammen mit der Schweizerischen Berufsorganisation für Traditionelle Chinesische Medizin den ersten Garten für chinesische Arzneipflanzen in der Schweiz eröffnet. Als Lerngarten dient er künftigen TCM-Berufsleuten und ist als Teil der Gärten im ZHAW-Campus Grüental für Interessierte frei zugänglich.

erwachsenenbildung.ch
September 2016

Am 30. August 2016 hat die ZHAW in Wädenswil zusammen mit der Schweizerischen Berufsorganisation für Traditionelle Chinesische Medizin den ersten Garten für chinesische Arzneipflanzen in der Schweiz eröffnet. Als Lerngarten dient er künftigen TCM-Berufsleuten und ist als Teil der Gärten im ZHAW-Campus Grüental für Interessierte frei zugänglich.

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) wird nicht nur inChina, sondern inzwischen weltweit praktiziert. Die dafürverwendeten Pflanzen sind bei uns jedoch nochweitgehend unbekannt. Im ersten Lern- und Forschungsgarten für TCM-Pflanzen in der Schweiz wurdedeshalb auf rund 1000 Quadratmetern ein Grundsortimentvon über 100 Pflanzenarten angepflanzt, das mit der Zeitauf 200 Arten erweitert werden soll. Der Garten wurde in Kooperation mit der Schweizerischen Berufsorganisation

für Traditionelle Chinesische Medizin (SBO-TCM) und verschiedenen privaten Partnern auf dem Campus Grüental der ZHAW in Wädenswil realisiert. Die Partner bilden zudem ein Netzwerk von Fachwissen auf hohem Niveau. ZHAW und SBO-TCM planen, mit regelmässigen Symposien und Diskussionsveranstaltungen eine Plattform zum Austausch über die TCM-Arzneipflanzen in der Schweiz zu schaffen.

Medizinalpflanzen zum Anfassen

Die Sammlung unterstützt künftige Berufsleute der TCM,die Vielfalt der verwendeten Arzneipflanzen besserkennen zu lernen. Sie ist aber auch für die Öffentlichkeitfrei zugänglich und lädt alle Interessierten zum Erforschen

und Entdecken ein. Die exotischen Pflanzen entführen in eine andere Welt und wecken die Neugierde an dieser pflanzenbasierten Heilmethode.

Fernöstliche versus Schweizer Gartenkultur

«Es war eine Herausforderung, eine thematische Sammlung von Pflanzen aus einem anderen Kontinent und Kulturkreis bei uns sinnvoll zu präsentieren», so Regula Treichler, Kuratorin Gärten & Pflanzensammlungen an der ZHAW. «Denn einerseits soll der TCM-Garten den harmonischen Charakter eines chinesischen Gartens

aufweisen, andererseits muss er ins Umfeld der verschiedenen Gärten im Grüental passen.» Als Ordnungsprinzip wurden die TCM-Pflanzen entsprechend ihren ökologischen Ansprüchen nach Lebensbereichen geordnet, die den Standorten in ihrer Heimat China nahe kommen.

Bezug zur eigenen Gesundheit

Der neue Garten ermöglicht den Besucherinnen und Besuchern einen Zugang zur chinesischenHeilpflanzentradition. «Die Pflanzen spielen in derTraditionellen Chinesischen Medizin eine wichtige Rolle – sie sind Grundlage und Teil einer umfassenden

Philosophie», sagt Nina Zhao-Seiler, Initiantin und fachliche Beraterin des Gartens und TCM-Therapeutin beim Berufsverband SBO-TCM. «Deren Prinzipien und Methoden bilden eine Alternative zu anderen medizinischen Heilpraktiken.»

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